• Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  • Herzlich Willkommen beim Forum für Unfallopfer, der größten Gemeinschaft für Unfallopfer im deutschsprachigen Raum.
    Du besuchst unser Forum gerade als Gast und kannst die Inhalte von Beiträgen vieler Foren nicht lesen und so leider nützliche Funktionen nicht nutzen.
    Klicke auf "Registrieren" und werde kostenlos Mitglied unserer Gemeinschaft, damit du in allen Foren lesen und eigene Beiträge schreiben kannst.

2,5 Jahre nach dem Unfall Ansprüche gg.Haftpflichtversicherung geltend machen?

Isländer

Aktiver Sponsor
Registriert seit
11 Nov. 2012
Beiträge
1,360
Ort
Bayern
#21
Grüß Dich, Arazu!

Ich beantworte Deine Fragen:

"1. Werden die Kosten im Rahmen des Schmerzensgeldes abgegolten oder extra?"

Gemeint waren die Zuzahlungen bei Behandlungen.

Extra! Denn diese Zuzahlung gehören in den Bereich "Vermehrte Bedürfnisse". Das Schmerzensgeld ist ausschließlich dazu da, dass Du etwas Nettes tun kannst - als Ausgleich für entgangene Lebensfreude! Das ist nicht dazu da, andere Schäden querzufinanzieren.


"2. Was ist mit den Fahrkosten zu den Ärzten? Ich bin quer durch Deutschland gefahren, um bestimmte Kliniken aufzusuchen und mindestens 1 Mal in der Woche bei irgendeinem Arzt gewesen..."


Anwort: Wie oben.

Bitte beachte: Die Reisen quer durch Bundesgebiet wird auf das Gegenargument stoßen, das sei ein Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht. Man wird sagen: Das sei nicht notwendig.

(a) Der Schadensersatzanspruch ist nicht auf das Notwenige begrenzt!


(b) Bei Körperverletzungen aber ist man im Bereich der Intimsphäre. Da tritt die Schdenminderungspflicht weit zurück. Wenn Du wissen willst, wie weit sie zurücktritt: Ich hätte da so ein paar kleine Urteile. OLG Bremen und der BGH fallen mir ein.


"3. Was die Haushaltsführungsschaden angeht - Wie wird ermittelt inwieweit ich in diesem Bereich beeinträchtigt bin?"

Antwort: Hier sind zwei Schritte zu machen:

(a) Welche Deiner Körperfunktionen ist wie eingeschränkt?

Das ergibt sich in der Regel aus den medizinischen Unterlagen. Da sieht man dann, was noch geht und was nicht. Sieht man Lücken, muss da medizinische aufgefüllt werden.

(b) Wie Dich die ärztliche festzustellen Leiden in Deiner Haushaltsarbeit eingeschränkt haben, das lässt sich NICHT mit den %-Werten der "MdE" (= Minderungs der Erwerbsfähigkeit) festellen.

Die Arbeit im Haushalt ist anders strukturiert als die im Erwerbsleben. Manchmal hilft es, sich die Arbeit im Haushalt frei einteilen zu können. Andererseits: Im allgemeinen Erwerbsleben gibt viel "Arbeit im Sitzen". Der Haushaltsberuf ist eine handwerkliche Mischtätigkeit, die ganz überwiegend im Stehen und Gehen ausgeführt wird. Vom Rollstuhl aus kann ich als Telefonist arbeiten. Hat einer schon mal versucht, vom Rollstuhl aus Staub zu saugen?

Die MdH kann also niedriger, aber auch höher als die MdE liegen. VORSICHT: Da gibt es eine schwindelhafte Tabelle, die von Reichenbach/Vogel angefangen und heute u.a. von Ludolph betreut wird. Diese Tabelle ist nachweislich so fehlerhaft, dass ich sie als


(c) Auch der Haushalt muss besichtigt werden. Auch, wer im Haushalt welche Tätigkeit gemacht hat.

Besipiel:

Wer keine Treppen mehr steigen kann, ist in einem Reihenhaus, 2 Obergeschoße ein armer Teufel. Er merkt bald, dass er einen Feind im Haus hat: Die Treppe! Im nicht unterkellerten Bungalow gibt es keine Treppen......

(Der Haushalt muss so oder so besichtigt werden. Es ist unglücklich, die Arbeitsmenge im Haus zu schätzen zu wollen, ohne den Haushalt gesehen zu haben.)

Beim Unfallopfer-Bayern e.V. gibt es den guten Tippzettel "Haushaltsführungsschaden", der sehr knapp, aber dafür knaig beschreibt, wie das geht. Willst Du ihn? Den darf ich nämlich im Forum veröffentlichen.




"4. Was ist mit dem Erwerbsschaden? Ist es realistisch den Unfall als Karriereknick durchzusetzen?"

Diese Fälle gibt es. Sie sind nicht einfach, grundsätzlich durchaus machbar. Das muss man sich aber mit Liebe zum Detail ansehen. Da kommt es darauf an, die Details zusammenzukratzen. Wenn das aber klappt, dann ist auch die entgangene Kinderbetreuung ein ersatzpflichtiger Schaden.




ISLÄNDER
 

arazu

Neues Mitglied
Registriert seit
6 März 2016
Beiträge
10
#22
Hallo zusammen!
Bei mir gibt es paar Neuigkeiten, wollte nur kurz berichten:
1. ich habe einen VerkehrsRA gefunden, der mich vertreten wird...
2. die Versicherung vom Unfallverursacher hat sich sehr schnell bereit erklärt für den Schaden dem Grunde nach aufzukommen.
3. Mein Anwalt hat der Versicherung informiert, dass wir Schmerzensgeld, Verdienstausfall und Haushaltsführungskosten geltend machen wollen
4. Die gegnerische Versicherung möchte jetzt die Kausalität zw. Meiner Kündigung und dem Unfall nachgewiesen bekommen, daher die Frage gezielt an ISLÄNDER:
- es wurden die Unterlagen wir Arbeitsvertrag (war ein unbefristeter Vertrag), Kopie der Kündigung ( war Eigenkündigung, als Grund natürlich nicht der Gesundheitszustand oder ähnliches angegeben), Arbeitszeugnisse ( sehr gute sowohl Zwischen- als auch Endzeugnis, mit unendlichen "stets zu vollsten Zufriedenheit" u.s.w) und Gehaltsnachweise angefragt...
Ist es realistisch die Kausalität zwischen der Eigenkündigung (9 Monate nach dem Unfall) und dem Unfall nachzuweisen???
Kurzgeschichte: eine unbefristete Vollzeitstelle, 5 Jahre Betriebszugehörigkeit vor dem Unfall, zum Zeitpunkt des Unfalles Teilzeit in der Elternzeit; Zum Zeitpunkt der Kündigung wieder Vollzeit, da die Elternzeit beendet. Ausgezeichnete Zwischen- und Endzeugnis. Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort zwar nur 20 km gewesen, für die einfache Fahrt brauchte ich aber zu den Kernzeiten ca 40 Minuten. Nach dem Unfall regelmäßige Krankengymnastik- und Psychotherapietermine im Wohnort + Betreuung 2 Kinder ( sowohl KiTa- als auch Schulkind) + Ehemann mit Arbeitszeiten von 9.30 bis 20.00 ( Einzelhandel).
Das sind die Fakten.... UND WAS JETZT?
Ohne Unfall würde ich nie meine unbefristete Vollzeitstelle in einem erfolgreichen Unternehmen kündigen, aber wie kann ich das beweisen?
VG

P.S. Ich habe einen sehr guten Lebenslauf... 2 Hochschulabschlüsse im Bereich, in dem ich gearbeitet habe, 3 Fremdsprachen und diverse Fortbindungen (alles nachweisbar)
 

Rekobär

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
3 März 2011
Beiträge
2,402
Ort
Berlin
Website
www.unfallreko.de
#23
Hallo arazu,

ich bin zwar nicht Isländer, aber mir fielen gleich mal ein paar Fragen ein.

Du hast nach Deinem Unfall 9 Monate in Vollzeit gearbeitet? Gab es in dieser Zeit erhebliche Einschränkungen Deiner Arbeitsausführung? Ich frage das deshalb, weil es die Grundlage bilden könnte für den Nachweis der Kausalität. Das zweite, was die gegnerische Versicherung anführen könnte, wäre, dass es ja eine anderweitige Arbeit für Dich in der Firma geben könnte, die Deinen Unfallfolgen gerecht wird. Das trifft natürlich nicht für alle Firmen zu. Kleine Firmen beispielsweise haben da wenig Möglichkeiten aufgrund der Zusammensetzung der Firma. Bei größeren Firmen sähe das allerdings anders aus.

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

arazu

Neues Mitglied
Registriert seit
6 März 2016
Beiträge
10
#24
Hallo RekoBär!
Ich hatte nach dem Unfall 8 Monate Teilzeit gearbeitet ( Teilzeit in Elternzeit) und quasi 2 Tage Vollzeit (Elternzeit war zu Ende):)
Es war zwar ein MU mit 50 MA, eine andere Tätigkeit wäre für mich auch eher unmöglich. Die Gründe der Kündigung lagen auch daran, dass ich noch nicht mal eine 0,75 Stelle mit meinen Krankengymnastik und anderen Therapieterminen in meinem Wohnort vereinbaren konnte... ich hatte zwar "nur" 20 km einfache Anfahrtsstrecke zu der Arbeitsstelle zu bewältigen, sie ist aber echt die "doofste" bei uns im Region (A40 community) gewesen. Ich brauchte ca 40-60 Minuten für die einfache Fahrt + 7 Stunden sitzen im Büro = 9-10 Stunden sitzen am Tag... ich konnte nicht mehr

...und ich hatte fast den kompletten Berichtswesen im Unternehmen abgedeckt, es gab keine "andere gleichwertige" Stelle im Unternehmen
 

Sekundant

Aktiver Sponsor
Registriert seit
24 März 2009
Beiträge
3,593
Ort
hier, gleich links von dir
Website
fallakte.12hp.de
#28
Hallo arazu,

dein verletzungsbild im blick - gab es im unternehmen nicht absprachen, gespräche mit AG, massnahmen o.ä., die zur verbesserung des arbeitsplatzes dienen könnten und im nachgang die gesundheitsbegründete kündigung nahelegen? welche massnahmen eines mittelständischen unternehmens zu erwarten waren, hast du sicher geprüft. auch ob du anspruch auf zuerkennung eines GdB hast.

gruss

Sekundant