• Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  • Herzlich Willkommen beim Forum für Unfallopfer, der größten Gemeinschaft für Unfallopfer im deutschsprachigen Raum.
    Du besuchst unser Forum gerade als Gast und kannst die Inhalte von Beiträgen vieler Foren nicht lesen und so leider nützliche Funktionen nicht nutzen.
    Klicke auf "Registrieren" und werde kostenlos Mitglied unserer Gemeinschaft, damit du in allen Foren lesen und eigene Beiträge schreiben kannst.

Abfindung, ist das sinnvoll

Kaaren

Mitglied
Registriert seit
8 März 2013
Beiträge
79
Ort
NRW
#1
Hallo,
ich würde gerne ein eigenes Thema eröffnen, aber das funktioniert leider nicht.
Ich hatte 2013 einen schweren unverschuldeten Unfall mit komplizierter Fraktur eines Wirbelkörpers, die operativ stabilisiert wurde. In der Folge habe ich eine PTBS.

Ich habe eine Anwaltskanzlei, die in einem Schreiben eine Teilschmerzensgeldforderung von mindestens 30.000 forderte. Unabhängig von einer weiteren Schmerzensgeldzahlung sei ein materiellem und immateriellem Vorbehalt mit den Wirkungen eines Feststellungsurteils zu fordern.

Nun gab es eine außergerichtliche Verhandlung mit der gegnerischen Versicherung. Die Schmerzensgeldgabe werde nun auf 20.000 als Abfindung reduziert, evtl auch etwas mehr. Da man noch in Verhandlungen steht, ist die 3 jährige Verjährung noch nicht abgeschlossen. Aber zu dem o.g. Vorbehalt sei die Versicherung nicht bereit.

Was nun?
Vielen Dank für eure Antworten.
VG Karen
 

Drahtesel

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
18 Nov. 2010
Beiträge
294
#3
Hallo Kaaren,

was sagt denn dein Anwalt zu dem Vorschlag der Versicherung? Und was möchtest du selber?

Ich habe mich auf eine Abfindung eingelassen, weil ich ein jahrelanges Gerichtsverfahren psychisch nicht durchgestanden hätte und keine Rechtschutzversicherung hatte. Für mich ist das auch jetzt nach drei Jahren immer noch die richtige Entscheidung. Mit einer Rechtschutzversicherung hätte ich eventuell anders entschieden. Ich habe auch eine PTBS, die Wurzeln dafür liegen allerdings weit zurück in der Vergangenheit. Der Unfall und das Verhalten der Versicherung haben mich retraumatisiert. Bei mir lag die Abfindung bei 50.000,-- €, neben der PTBS habe ich eine Dauerschädigung an der rechten Hand (mir ist ein Auto über vier Finger gefahren).

VG Drahtesel
 

Rekobär

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
3 März 2011
Beiträge
2,402
Ort
Berlin
Website
www.unfallreko.de
#4
Abfindung

Hallo Kaaren,

ob eine Abfindung nützlich oder eher schädlich ist, kommt auf die Umstände an.

Eine Abfindung dient ja dazu auf beiden Seiten einen Vorgang abschließen zu können, bei dem nachher keine Nachforderungen mehr gestellt werden können. Ausnahme ist, wenn der Vergleich sittenwidrig war. Aber auch da ist der Nachweis nicht ganz so einfach.

Drahtesel zum Beispiel hat seinen abgeschlossenen Vergleich als nützlich empfunden und auch seine Gründe für den Abschluss genannt.

Andere wiederum gehen lieber den langen und mühsamen Weg des Klagens vor Gericht und setzen sich damit unweigerlich Strapazen aus. Aber auch das ist o.k.

Deshalb mein Vorschlag; Ab welcher Vergleichssumme würdest Du einem Vergleich zustimmen? Wäre das dann für Dich auch psychisch in Ordnung. Findest Du nach dem Vergleich den Abschluss mit dem Unfallgeschehen?

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

Teddy

Aktiver Sponsor
Registriert seit
27 Juni 2007
Beiträge
753
Ort
Raum Stuttgart
#5
hallo Kareen,

wie Rekobär schon sagte, es ist eine individuelle Entscheidung.

Eines muss dir klar sein, oft tauchen in den Phasen vor dem Abschluss eines Vergleiches die Argumente auf: wenn der erst geschlossen sei, dann sei endlich ein Aktendeckel zu und man könnte doch so endlich, vor allem psychisch damit abschließen und die Heilungsphase würde bestimmt dadurch beschleunigt werden. Doch die Wunden bleiben, da gibt es keinen Knopf zum Abschalten. Mit keiner Summe der Welt, kannst du Deine Gesundheit kaufen. Du kannst nur Tag für Tag daran arbeiten, dass es dir besser geht.

Ist es ein gerechter Vorschlag, kannst du wirklich damit leben, nicht nur heute und morgen sondern auch in Jahrzehnten, dann unterschreibe.

Oft ist ein Vergleichsvorschlag aber ein wohl kalkulierter Brosamen der Gegenseite, um berechtigte Ansprüche zu minimieren, die eigentlich wesentlich höher ausfallen.

Bei mir hat sich die Gegenseite gewunden und kleingeredet, bis der Richter im Haftpflichtfall knallhart sagte: soviel und nicht weniger. Entweder beide Parteien nehmen binnen einer Frist von 4 Wochen den Vergleich an, oder wir sehen uns in einem Jahr wieder.

Und zwar würde er sonst ein gerichtliches Gutachten bestellen: Gutachter suchen 3 Monate, freier Termin wiederum nicht vor 3 Monaten. Gutachten erstellen und Gelegenheit dazu Stellung zu nehmen wieder drei Monate und Ansetzen eines erneuten Gerichtstermins also erst nach vollen 12 Monaten möglich.

Das käme also vermutlich auf Dich zu - nur zur Info

LG Teddy
 

Kaaren

Mitglied
Registriert seit
8 März 2013
Beiträge
79
Ort
NRW
#6
Hallo "HWS-Schaden", ich werde den Link probieren. Allerdings hatte ich seit gestern nach meinen Beiträgen ziemliche Mühe mich überhaupt anzumelden, jetzt hat es geklappt.

Hallo "Drahtesel"
der Anwalt gab mit die Ansicht der Versicherung weiter mit der Empfehlung, sie anzunehmen.
Allerdings ist meine Geschichte noch nicht ganz ausgestanden, eine weitere OP ist mittelfristig angedacht, weshalb ich mich scheue einen Vergleich anzunehmen. Deinen Retraumatisierungs-Hinweis finde ich wichtig.

Hallo Rekobär,
einen Folgeschaden nachzuweisen, würde auch nicht leicht sein, denke ich. Deshalb gibt dieser Vorbehalt auch keine wirkliche Sicherheit für die Zukunft.

50.000 Euro klingt gut. Sicherheit ist mir wichtig.

Ich habe das genaue weitere Procedere nicht verstanden. Ich will die Eventualitäten, wie sie sich mir darstellen, hinterfragen:
Theoretisch: a) Die Versicherung bietet einen Betrag, ich lehne ab, da der Vorbehalt fehlt. b) Dann muss ich also klagen, nimmt man dafür den gleichen Anwalt? Brauche ich überhaupt einen zugelassenen Anwalt? Oder könnte z.B. ein Student mich vertreten? c) Dann werden Gutachten gemacht/vom Richter angeordnet, mindesten eines und ich muss in Vorlage für die/das Gutachten treten und ebenfalls für meinen Anwalt. c)Wenn der Richter einen Vergleich vorschlägt, welche Kosten kommen dann auf mich zu. Halbe halbe? Jeder zahlt seinen Anwalt. Was ist im Falle einer Klage mit den Kosten der außergerichtlichen Vorverhandlungen? d)Wenn ich auf einem Urteil bestehe, kann es dann passieren, dass ich meinen Anwalt, die Gerichtskosten und den Anwalt der Versicherung zahle und gar nichts bekomme? Mit welchen Kosten müsste ich rechnen, wenn ich 30.000 einfordere mit dem mir wichtigen Vorbehalt. e) wie wahrscheinlich ist es, dass der Richter mir in Bezug auf den Vorbehalt Recht gibt. f)Anwälte bekommen nach einer Tabelle etwa 10 Prozent des Streitwertes, richtig? g) wie hoch sind die Gerichtskosten in Bezug auf den Streitwert. Diese Fragen sollte ich nun meinem Anwalt schreiben ;)

Wenn es Vorverhandlungen gab und ich nur ergänzend den Vorbehalt gerichtlich erstreiten möchte, sind
alle Vorverhandlungen hinfällig, so habe ich es verstanden.
Danke für das Lesen!
Karen
 

Kaaren

Mitglied
Registriert seit
8 März 2013
Beiträge
79
Ort
NRW
#7
Hallo Teddy,
der Vergleich taugt in meinen Augen nichts. Folgeschäden sind noch nicht absehbar. Es ist gut auf das, was auf einen zukommt, hingewiesen zu werden. Dann kann man besser entscheiden.
Gute Nacht, es ist spät
VG Karen
 

Rekobär

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
3 März 2011
Beiträge
2,402
Ort
Berlin
Website
www.unfallreko.de
#8
Gerichtsprozess

Hallo Kaaren,

mal der Reihe nach:

1. Brauche ich einen Anwalt? Ja. Denn Dein Streitwert liegt über 5.000,00 €. Ab dem Wert (die Summe, die Du von der gegnerischen Versicherung haben willst) ist das Landgericht zuständig und dort besteht eine sogenannte Rechtsanwaltsvertretungspflicht.

2. Anderer Anwalt, als der im Außergerichtlichen? Musst Du selber entscheiden. Du kannst auch denselben Anwalt für den gerichtlichen Teil nehmen.

3. Kosten beim Vergleich? Kommt auf die Höhe des Vergleichs an. Hier gilt die Brago (Anwaltsgebührenordnung)

4. Gerichtskosten? Das kannst Du googlen.

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

Kaaren

Mitglied
Registriert seit
8 März 2013
Beiträge
79
Ort
NRW
#9
Hallo Frühaufsteher,
danke für die Antworten. Sie helfen mir weiter, insbesondere 2 davon. Ich schaue sie mir heute Abend alle Punkte noch eingehend an.

Eine Frage geht mir durch den Kopf:
Hat es jemals eine außergerichtliche Einigung mit einem Zukunftsvorbehalt gegeben?

VG Karen
 
Registriert seit
27 Jan. 2014
Beiträge
76
#10
Hallo Karen,

zunächst bin ich überrascht, dass Dir Dein Anwalt zu einem vorbehaltlosen Vergleich rät, obwohl er weiß, dass bei Dir eine weitere Op ansteht. Für mich ein absolutes "No go". Was ist, wenn die Op schiefgeht? Du hast eine Wirbelfraktur erlitten, hier kann es bei einer Op zu erheblichen Komplikationen kommen. Und dann? Bei einer endgültigen Abfindung bist Du auch endgültig raus !!
Wenn ich Du wäre: Ich würde in diesem Zustand auf keinen Fall einer endgültigen Abfindung ohne Vorbehalt zustimmen. Die Versicherung hat auch keinen Anspruch auf eine endgültige Abfindung. Selbstverständlich gibt es aussergerichtliche Abfindungen mit entsprechenen Vorbehalten. Deine könnten so evtl. lauten: "Ausgenommen von diesem Vergleich sind künftige materielle und immaterielle unfallbedingte Folgeschäden. Insoweit verzichtet die Versicherung auf die Einrede der Verjährung. Oder stellt Dich so, als hättest Du ein rechtskräftiges Feststellungsurteil erstritten. Dann wärest Du in jedem Fall auf der sicheren Seite
Wie könnte die Versicherung reagieren, wenn Du auf einer weiteren Forderung und dem Vorbehalt bestehst? Sie wird Dich klaglos stellen, d.h. , dass sie die Beträge zahlt, die sie für "angemessen" hält. Und zahlt selbstverständlich auch die bis dahin angefallenen Gebühren.Und zwar nach dem "RVG" , dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Sorry Rekobär, aber die BRAGO gibst seit 2004 nicht mehr !! Dann wärst Du an der Reihe: Du klagst den höheren Betrag, als auch den gewünschten Vorbehalt, ein. Hier ist das Risiko 50:50. Offensichtlich hast Du ja keine Rechtsschutzversucherung. Am besten wäre natürlich, wenn man sich noch einmal an einen Tisch setzt und neu verhandelt. Grundlage sollte dann die weitere Op sein, deren Ergebnis zuerst einmal abgewartet werden sollte. Diese weitere Op dürfte im übrigen auch noch schmerzensgelderhöhend sein !! Die Sorge der Verjährung besteht nicht, da sie gehemmt ist, wegen der Verhandlungen, aber auch wegen des Pflichtversicherungsgesetzes. Hier schützen Dich 10 Jahre, bis zum endgültigen Bescheid der Versicherung. In jedem Fall besteht Anwaltspflicht bei einer Klage vor dem LG.Hat die Versicherung denn mal einen Vorschuss gezahlt? Was ist mit dem Haushaltsführungsschaden? Ist der geltend gemacht worden? Nebenkosten? Vermehrte Bedürfnisse? Fahrtkosten zum Arzt etc.

Ich halte Dir die Daumen, dass das alles in Deinem Sinne ausgeht.

Grüße aus Köln

Dieter
 

Kaaren

Mitglied
Registriert seit
8 März 2013
Beiträge
79
Ort
NRW
#11
Hallo Dieter,
vielen Dank für deine Antworten und Fragen.

„Wenn ich Du wäre: Ich würde in diesem Zustand auf keinen Fall einer endgültigen Abfindung ohne Vorbehalt zustimmen.“ Nein das will ich auch nicht.
„Die Versicherung hat auch keinen Anspruch auf eine endgültige Abfindung.“ Was bedeutet das?

Mein Anwalt machte mir deutlich, dass man Anfang des Jahres zu einer Entscheidung kommen möchte. Im Rahmen einer Abfindung sei nach Ansicht der Versicherung kein Raum für einen immateriellen Vorbehalt.

Die Rechtsanwaltsgebühren waren fast alle abgerechnet, so mein Kenntnisstand. Ich habe schon größere Teilbeträge als Vorschuss erhalten.

„Dann wärst Du an der Reihe: Du klagst den höheren Betrag, als auch den gewünschten Vorbehalt, ein. Hier ist das Risiko 50:50.“ Das Procedere des Klageverfahrens und die eventuellen Ergebnisse würde ich gerne noch genauer wissen. Worst Case, ich würde verlieren, ist es dann so, dass ich dann auch die Anwälte der gegnerischen Versicherung und die als Schmerzensgeldvorschuss überwiesenen Beträge zurückzahlen muss und die bisherigen Abrechnungen? Ich denke aber, dass ich bei den nun gebotenen 20.000 Euro gar nicht verlieren kann. Eigentlich klage ich dann doch nur den Zukunftsvorbehalt ein, wieso sollte der Richter den nicht gewähren, bei so einem schweren Unfall.

„Am besten wäre natürlich, wenn man sich noch einmal an einen Tisch setzt und neu verhandelt.“ Grundlage sollte dann die weitere Op sein, deren Ergebnis zuerst einmal abgewartet werden sollte. Diese weitere Op dürfte im übrigen auch noch schmerzensgelderhöhend sein !!“ Der Anwalt ist beim Gespräch davon ausgegangen, dass die OP schon Anfang 2017 sein wird. Durch eine neue Erkrankung (ich habe aktuell eine Sudeck-Erkrankung an der Hand) gibt es ärztliche Vorbehalte, derzeit zu operieren. So ist es für meine Gesundheit besser noch zu warten.

„Die Sorge der Verjährung besteht nicht, da sie gehemmt ist, wegen der Verhandlungen, aber auch wegen des Pflichtversicherungsgesetzes. Hier schützen Dich 10 Jahre, bis zum endgültigen Bescheid der Versicherung.“ Was ist das Pflichtversicherungsgesetz?

„Was ist mit dem Haushaltsführungsschaden?
Ist der geltend gemacht worden?“ Da ich wieder arbeite, habe ich angeblich nun keinen mehr. Man will wesentlich geringer abfinden, als wir eingefordert haben.

„Nebenkosten? Vermehrte Bedürfnisse? Fahrtkosten zum Arzt etc.“ nein da ist noch nichts beziffert.

VG Karen
 

EES-ES

Mitglied
Registriert seit
13 Okt. 2014
Beiträge
79
Ort
Marburg
#12
Hallo Kaaren,

ich an deiner Stelle, würde nie einer Entgültigen Abfindung zustimmen.

Hatte auch ein Verkehrsunfall im Jahr 1984 und die Folgen sind immer noch ersichtlich, deswegen mein Rat, nur Schmerzensgeld Sachen Abfinden nie die innmaterielen Sachen, Wie z.B. Verdienstausfall, folge Behandlungskosten.

Die Versicherung, sagt immer, dass ist unser letztes Angebot usw, lass dich davon nicht irretieren.

Wünsche dir viel Glück bei der Sache.
 
Registriert seit
27 Jan. 2014
Beiträge
76
#13
Hallo Karen,

ich werde mal chronologisch nach Deinem Brief versuchen zu antworten:

Die gegenerische Haftpflichtversicherung hat keinen Anspruch darauf, dass Du eine Abfindungserklärung unterschreibst, schon garnicht eine endgültige, ohne die diskutierten Vorbehalte. Unsinnig ist, dass es im Rahmenn einer Abfindung KEINEN Vorbehalt gibt. Die gibt es sehr wohl, sowohl materiell als auch immateriell. Die Versicherung will nur NICHT . Versicherungen wollen immer einen vorbehaltlosen Vergleich. Die beste Schadenakte aus Sicht der Versicherung ist immer die, die voll erledigt im Keller liegt !!
Da Du bereits Vorschüsse erhalten hast, ist die Verjährung schon aus diesem Grund gehemmt. Aber auch wegen der Verhandlungen. Hierzu später mehr.
Im Prozessfall ist es in der Regel so, dass die Versicherung Dich klaglos stellt, d.h., dass sie die Beträge zahlt, die sie für angemessen hält. Hintergrund ist, dass Du dann das volle Prozessrisiko trägst.Beispiel: Du willst 30000 EUR haben, die Versicherung will aber nur 20000 zahlen, dann zahlt sie die 20000 und stellt Dich damit klaglos, den Rest von 10000 klagst Du ein. Sagt der Richter die gezahlten 20000 seien genug, dann verlierst Du den Prozess und zahlst sowohl Deinen Anwalt, den Anwalt der Versicherung und die angefallen Gerichtskosten.Das wäre dann das worst case für Dich. Die bereits gezahlten 20000 kannst Du natürlich behalten. Eigentlich dürfte jeder Richter Deinem Wunsch nach den begehrten Vorbehalten positiv sehen, d.h. anerkennen. Warum die Versichertung das aussergerichtlich nicht macht, ist unverständlich, sie vergibt sich ja nichts. Sie geht ja auch kein Risiko ein, wenn kein weiterer Schaden bei Dir eintritt, ist die Sache sowieso erledigt. Also spitz Deinen Anwalt an, neu zu verhandeln, aber erst nach der Op, damit Du sicher bist, dass keine weiteren Komplikationen eintreten. Und wie gesagt, die weitere Op ist schmerzensgeld erhöhend.Wenn jetzt keine MDE mehr vorhanden ist, hast Du auch keinen weiteren Haushaltsführungsschadenanspruch, Aber was war in der Vergangenheit? Du warst ja eine gewisse Zeit zu 100% AU, dann hast Du für den Zeitraum einen vollen Anspruch. Und dann weiter abstufend , je nach Prozentsatz. Beispiel: 70,60,50% etc.
In Deutschland ist die Kfz Versicherung eine sogenannte Pflichtversicherung, d.h. dass jeder verpflichtet ist, eine Kfz Versicherung abzuschliessen. Und dafür gibt es das Pflichtversicherungssetz. Das sieht besondere Verjährungszeiten vor. D.h., wenn Du Deinen Direktanspruch bei der Versicherung anmeldest, ist die Verjährung sofort gehemmt, (Bis zu 10 Jahren)bis zur endgültigen Endscheidung der Versicherung. Postiv (sie erkennt an) oder negativ(sie lehnt ab) Im Moment besteht also für Dich überhaupt keine Gefahr. Siehe auch oben.
Was die Nebenkosten angeht, würde ich mal eine Aufstellung machen, was so alles angefallen ist.
Im übrigen, wenn Du mich fragst: Ich würde NIE eine Abfindungserlärung unterschreiben. In diesem Sinne viele Grüße

Dieter
 

Siegfried21

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
10 Sep. 2006
Beiträge
2,242
Ort
BW
#14
Hallo Kaaren,

in Unkenntnis der Sachlage, würde ich dir sowieso aus "materieller Hinsicht"
nicht zu einer vollen Abfindung raten, außer du würdest vor der G. Rente stehen.

Es geht um den Aspekt, wenn du Unfallbedingt, deine Arbeit nicht mehr oder nur teilweise
ausüben köntest.

einen Folgeschaden nachzuweisen, würde auch nicht leicht sein, denke ich. Deshalb gibt dieser Vorbehalt auch keine wirkliche Sicherheit für die Zukunft.
Folgeschäden sind noch nicht absehbar.
Das ist ein Gerücht bzw. natürlich solltest du, in Abständen, in fachärtliche Kontrolle begeben, dass hier eine saubere Dokumentation auf dem Papier steht.

Ein Anwalt darf §§ keiner Abfindung zustimmen, wenn Folgeschäden nicht absehbar sind, außer die Summer wäre adäquat hoch, was ich hier nicht sehe.

Die PTBS ist der Vers. wie ein Dorn im Auge!

Grüße
 

Kaaren

Mitglied
Registriert seit
8 März 2013
Beiträge
79
Ort
NRW
#15
Hallo EES-ES,
mir ist nicht ganz klar, was genau der materielle und was der immaterielle Vorbehalt sind. Die Versicherung meint, dass sie meinen Verdienstausfall schon vollständig abgegolten habe. Ich halte meine Arbeitsplatz wegen des Unfalls für gefährdet. Folgebehandlungskosten sind also immateriell?


Hallo Siegfried,
"G. Rente"?
Nun, ich übe meine Arbeit noch im vorigen Zeitumfang aus. Noch! Ich hoffe, ich kann und darf sie weiterhin ausüben!
Danke für den Hinweis auf die weiteren Kontrolluntersuchungen.


Hallo Dieter,
„Da Du bereits Vorschüsse erhalten hast, ist die Verjährung schon aus diesem Grund gehemmt. Aber auch wegen der Verhandlungen.“ Vielen Dank für diese Botschaft.
„Im Prozessfall ist es in der Regel so, dass die Versicherung Dich klaglos stellt, d.h., dass sie die Beträge zahlt, die sie für angemessen hält. Hintergrund ist, dass Du dann das volle Prozessrisiko trägst. Beispiel: Du willst 30000 EUR haben, die Versicherung will aber nur 20000 zahlen, dann zahlt sie die 20000 und stellt Dich damit klaglos, den Rest von 10000 klagst Du ein. Sagt der Richter die gezahlten 20000 seien genug, dann verlierst Du den Prozess und zahlst sowohl Deinen Anwalt, den Anwalt der Versicherung und die angefallen Gerichtskosten.Das wäre dann das worst case für Dich. Die bereits gezahlten 20000 kannst Du natürlich behalten.“ Prozesskosten belaufen sich in diesem Fall über 10.000 oder 30.000?
„Eigentlich dürfte jeder Richter Deinem Wunsch nach den begehrten Vorbehalten positiv sehen, d.h. anerkennen.“ Und wie wird der Zukunftsvorbehalt im Streitwert taxiert? Oder kostet der nichts?
„ Also spitz Deinen Anwalt an, neu zu verhandeln, aber erst nach der Op, damit Du sicher bist, dass keine weiteren Komplikationen eintreten. Und wie gesagt, die weitere Op ist schmerzensgeld erhöhend.“ Wenn aber die OP nicht schon in 6 Monaten sondern erst in 1 bis 2 Jahren stattfinden kann, wird die Versicherung so lange abwarten wollen oder habe ich einen Anspruch auf ihr Zuwarten? Der Anwalt sagte NEIN.
„Wenn jetzt keine MDE mehr vorhanden ist, hast Du auch keinen weiteren Haushaltsführungsschadenanspruch,“ ich habe einen SBA von 50% und eine MdE, alleine vom Rücken her, von mindestens 20%, aber das weiss auch mein Anwalt. NB. Ich arbeite Teilzeit, Vollzeit wäre gar nicht möglich.
„Aber was war in der Vergangenheit? Du warst ja eine gewisse Zeit zu 100% AU, dann hast Du für den Zeitraum einen vollen Anspruch. Und dann weiter abstufend , je nach Prozentsatz. Beispiel: 70,60,50% etc.“ Ja, das hatte ich alles genau aufgeführt, die Versicherung will nur einen im Vergleich zu meiner Aufstellung kleinen Teilbetrag anerkennen. Dieses würde ich nur akzeptieren, wenn der Rest insb. mit den Vorbehalten stimmen würde.

„Im Moment besteht also für Dich überhaupt keine Gefahr.“ Die Versicherung drängt, der Anwalt hat schon ein Gespräch mit der Versicherung mit für mich ungünstigem Ergebnis geführt.
Es ist für mich wichtig, dass Zeit gewonnen wird für neue Verhandlungen und, dass ich mich und meine Ärzte nicht vorschnell! etwa wegen der Versicherung zu einer zu frühen Operation drängen lasse.

„Was die Nebenkosten angeht, würde ich mal eine Aufstellung machen, was so alles angefallen ist.“ Wie viel Zeit habe ich für diese Aufstellung noch, da ja diese weiteren Ansprüche offensichtlich durch mich und meinen Anwalt noch nicht geltend gemacht wurden?

„Im übrigen, wenn Du mich fragst: Ich würde NIE eine Abfindungserlärung unterschreiben.“ Ich verstehe nicht, wie mein Anwalt zu solch einem Vorverhandlungsergebnis kommen konnte. Wie viel Zeit hat er nun meine fehlende Zustimmung kund zu tun? D.h.: Wie viel Zeit darf zwischen der außergerichtlichen Vorverhandlung und einer schriftlichen Reaktion vergehen?

Ich hätte aber einem angemessenen Ergebnis zugestimmt, aber nur wenn diese Vorbehalte vertraglich zugesichert würden.

VG Karen
 
Zuletzt bearbeitet:

Kaaren

Mitglied
Registriert seit
8 März 2013
Beiträge
79
Ort
NRW
#16
Hallo an das unterstützende Forum,
vielen Dank für die wertvollen Antworten.

Gedanken zum Haushaltsführungsschaden:
Mein Anwalt sagt, MdH sei nicht gleich MdE. Wenn ich für etwas länger brauche, sei das kein Haushaltsführungsschaden.
Es gibt aber tatsächlich so einiges was ich gar nicht mehr mache/ machen kann. Jedes nur ein bisschen schwerer tragen, büße ich mit anhaltenden Schmerzen und tauben Füßen. Ich habe mich darauf teils eingestellt und lasse machen, was nicht geht. Mein Umfeld hält mich für ziemlich beeinträchtigt.
Im Bereich des Haushaltsführungsschadens wäre ich mit einer angemessenen endgültigen Abfindung einverstanden, sofern das Gesamtpaket stimmt. Gut so oder ist da ein Fallstrick?

VG Karen
 

Sekundant

Aktiver Sponsor
Registriert seit
24 März 2009
Beiträge
3,593
Ort
hier, gleich links von dir
Website
fallakte.12hp.de
#17
hallo Karen,

etwas flapsig gefragt: wieviele jahre wären da eingerechnet, oder anders gefragt: wie lange gedenkst du noch zu leben?

du siehst, es ist schwer bis unmöglich hier überhaupt eine zutreffende summe zu finden und das ansinnen höchst suspekt.


gruss

Sekundant
 

HWS-Schaden

Aktiver Sponsor
Registriert seit
2 Nov. 2012
Beiträge
2,775
Ort
Bei den Stadtmusikanten
#18
Hallo Kaaren,

über den Haushaltsführungsschaden habe ich nur übers Mitlesen Kenntnis, keine Erfahrung, juristisch Laie.

Es geht m.W. nicht (unbedingt) darum, ob du für eine Tätigkeit X nun etwas länger benötigst, aber wenn andere Personen Arbeiten erledigen, die du vor dem Unfall erledigt hast, dann liegt ein Haushaltsführungsschaden vor.

LG
 
Registriert seit
27 Jan. 2014
Beiträge
76
#19
Hallo Karen,

die Kosten in einem Prozess bestimmen sich immer nach dem eingeklagten Betrag. In unserem Beispiel also aus 10000 EUR Streitwert.
Ein Vorbehalt hat natürlich auch einen gewissen "Wert", den dürfte der Richter dann festlegen.

In Deinem Fall dürften nur die Ärzte festlegen, wann die weitere Op medizinisch sinnvoll ist. Das ist ausschließlich eine medizinische Frage, da hat weder die Versicherung noch Dein Anwalt ein Mitspracherecht.Ich würde, um dieses - offensichtliche - Problem zu beseitigen, Deine Ärzte um eine medizinische Stellungnahme bitten, mit dem Tenor, warum aus welchen medizinischen Gründen eine Op erst in .....Monaten sinnvoll ist und diese dann der Versicherung vorlegen. Eine endgültige Regulierung kann - immer - erst dann erfolgen, wenn Dein Fall medizinisch austherapiert ist. Das muss die Versicherung akzeptieren, wenn nicht wäre das ein Fall für eine Vorstandsbeschwerde und für das Amt in Berlin ! Dein Anwalt handelt fahrlässig, wenn er Dir jetzt zu einem Vergleich rät und Deine Beschwerden laufen nach der Op aus dem Ruder. (Dann hättest Du allerdings auch noch einen Anspruch gegenüber Deinem Anwalt - wegen Falschberatung. Aber dafür braucht man Nerven !!)
Es gibt Rechtsprechung, dass eine 20%tige MDE keinen Anspruch zu einem Haushaltsführungsschaden generiert. Wenn aber punktuell gewisse Arbeiten nicht oder nur erheblich erschwert durchführbar sind, dann müsste auch punktuell eine Hilfe her. Lass diese Fragen doch auch mal medizinisch beurteilen. Deine Ärze sollen Dir klipp und klar schriftlich sagen, was Du machen kannst und was nicht. Resultieren dadurch Kosten - ist das Dein Anspruch ! Die Kosten für solche Bescheinigungen muss die Versicherung bezahlen !!
Es gibt eigentlich keine Fristen auf Angebote zu reagieren. In aller Regel dürften 3 -5 Wochen normal sein, dass auf einen Schriftsatz der Versicherung reagiert wird und umgekehrt.

Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig weiterhelfen konnte und grüße Dich gerne aus Köln


Dieter
 
Registriert seit
27 Jan. 2014
Beiträge
76
#20
Hallo Karen,

ich hatte übersehen, dass Du noch gefragt hast, was ein "materieller und immaterieller Vorbehalt " ist.

Immateriell ist das Schmerzensgeld. Wenn es bei Deiner weiteren Op zu einer Komplikation kommt mit einem größeren Dauerschaden, dann hättest Du einen weiteren "immateriellen" Anspruch, sprich Du würdest ein weiters Schmerzensgeld bekommen. Oder es käme Jahre danach zu einer signifikanten Verschlimmerung, z.B. einer Lähmung.

Materiell ist alles andere: Sachschaden, Verdienstausfall,Haushaltsführungsschaden, KM-Geld zur Behandlung etc.

Dieter