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Verdienstausfall schaden

Bra

Neues Mitglied
Registriert seit
14 Feb. 2018
Beiträge
1
#1
Hallo Leute, ich bin neu hier.
Ich habe eine Frage. Ich bin seit 2004 querschnittsgelähmt (durch einen Autounfall bei dem ich Beifahrer war) und bekomme seitdem Verdienstausfall von der Allianz. Meine Frage ist, darf ich mir etwas dazu verdienen, ohne dass es angerechnet oder abgezogen wird von meinem Verdienstausfall? Wenn ja: Wieviel und darf ich mich eventuell sogar selbständig machen? Natürlich ohne Angst haben zu müssen, dass bei der Selbstständigkeit der Verdienstausfall gestrichen wird bzw. mir am Ende sogar weniger bleibt. Danke im Vorraus! Liebe Grüße
 
Registriert seit
27 Jan. 2014
Beiträge
76
#2
Hallo Bra,

so einfach ist Deine Frage nicht zu beantworten. M.E. hängt es davon ab, welchen Querschnitt Du hast. Bist Du Tetra-, oder Paraphlegiker? Im letzteren Fall könntest Du eine evtl. verbliebene Arbeitskraft einsetzen.(Eventuell in Teilzeit) Hierzu wärest Du sogar nach der Rechtsprechung verpflichtet. Das ist uralte BGH Rechtsprechung, stellvertretend hierzu BGH VersR 83,44 = NJW 84,354. In der BGH Entscheidung VersR 79,424 findet sich eine gute Darstellung der Pflichten eines Geschädigten und der beiderseitigen Darlegungs-, und Beweislast Der Schädiger muss beweisen , dass Du gegen die Schadenminderungspflicht verstösst eine mögliche und zumutbare Ersatztätigkeit aufzunehmen. Du musst Dich aktiv um eine Stellung bemühen; die mangelnde Bereitschaft hierzu kann schon als Verstoß gegen Deine Schadenminderungspflicht ausgeleget werden.

Aber und hier kommt das große Aber: Da Du ein sehr schweres Verletzungsbikld erlitten hast, stellt sich bei Dir die Frage, ob Du überhaupt eine ARBEITSPFLICHT hast !!! Bei fehlender Arbeitspflicht spricht die Rechtsprechung hier von einer überobligatorischen Anstrengung (BGH VersR 74, 142. ) In einem solchen Fall kommt eine Anrechnung des erzielten Einkommens NICHT in Betracht.

M.E. hängt eine zuverlässige Beurteilung Deiner Frage auch davon ab, wie der medizinische Sachverhalt ist, wobei mir natürlich bewusst ist, dass ein Querschnitt ein Querschnitt bleibt. Aber können die Mediziner Dir sagen, ob bei Deinem aktuellen Zustand eine Arbeit (welcher Art ??) zumutbar ist ??? Wichtig scheint mir auch, welche Ausbildung - Beruf Du VOR dem Unfall hattest? Kann das weiter verwendet werden? Was ist mit einer Umschulung? Ist hier nicht von der Allianz ein berufliches Rehamanagment durchgeführt worden?

Neben der medizinischen Frage stellt sich auch die juristische. Was sagt Dein Anwalt? Ist denn im Vorfeld (bevor Du den Verdienstausfall zugesprochen bekamst) das nicht diskutiert worden?

Ergänzend: Hast Du eine Haushaltsführungsschaden geltend gemacht? Was ist mit dem Rentenschaden? Vermehrte Bedürfnisse?

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen. Bei weiteren Fragen einfach wieder melden.

Viele Grüße


Dieter
 

Isländer

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1,360
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#3
Grüß Dich, Bra!

Deine Frage kann man beantworten: Indem man ein dickes Buch schreibt! Es wäre sehr hilfreich, wenn Du mitteilen könntest:


01
Welchen Beruf genau hast Du VOR dem Unfall ausgeübt?

Was war Dein Monatsbrutto (ggf.: Umgerechnet auf Vollzeit) in etwa?

02
Welche Tätigkeit hast Du jetzt vor-? Was ist Deine Stundenlohn (brutto) dort-?


03
Grundsätzlich vorab: Versicherer versuchen oft, jeden zusätzlich verdienten Cent anzurechnen, obwohl man ihnen das mit Hilfe einiger BGH-Entscheidungen in vielen Fällen austreiben kann. Ich kenne persönliche einen Vorgang eines Wirtschaftprüfers (über 120.0000 Euro im Jahr!), dann als Bürohelfer arbeitete. Das Landgericht Augsburg hat rechtskräftig entschieden: Keine Anrechnung! Denn die Arbeit ist eine "überpflichtgemäße Anstrengung".

04
VORSICHT, FALLE: Es gibt Grundsätze, die besagen, was an Arbeit unzumutbar ist, wenn es um's Arbeitslosengeld geht. Das sind GANZ ANDERE Maßstäbe, die viel härter sind als die des Schadensersatzrechtes. Es wird oft rechtlich falsch versucht, diese strengen Regeln aus dem SGB im Schadensersatzrecht anzuwenden. Laß Dich nicht ins Bockshorm jagen.

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